Donnerstag, 14. Januar 2010

Malibu Beach Bungalows, Chaloklum

Donnerstag, 14.Januar 2010


verlängert

Habe heute meinen Aufenthalt bis zum Sonntag verlängert, und kann noch zwei volle Tage den riesigen Pool genießen, den ich bisher komplett für mich alleine hatte. Habe während meiner Pool-Stunden dort noch nie jemanden gesehen, die Leute panieren sich am Strand lieber mit dem feinen Pulversand. Zum Glück sind die Menschen unterschiedlich in ihren Neigungen, und so bleibt der Pool für mich. Kann dort auch schön schreiben, immer 3-4 Stunden, bis der Akku meines Klapprechners den Geist aufgibt, oder ein Regenguss mich verjagt. Überall gibt es diese großen Luxusbungalows mit dem eigenen kleinen Pool vor dem Zimmer, zu Preisen von 200,-EUR und mehr, und ich habe hier für 20,- EUR inkl. Frühstück meinen eigenen kleinen Bungalow mit dem Riesenpool – genial, so herum gefällt mir das viel besser.
Gestern Abend hatte ich das beste Stück Fisch der gesamten Reise. Habe ja gestern schon von dem Restaurant berichtet. Der Laden heißt „Sea Side“, und die beiden großen, absolut grätenfreien Filetstücke, von was weiß ich für einem Hochseefisch, waren ideal zubereitet. Fest und saftig, die würzige Panade war beim Grillen knusprig gebacken. Ein echter Hochgenuss für 4,-. Ich glaube, ich bestelle mir heute wieder das Gleiche, denn so lecker kommen wir nicht wieder zusammen.

Mittwoch, 13. Januar 2010

"Die Schuld der toten Taucher" ist um 10 Seiten angewachsen

Dienstag und Mittwoch 12./13.Januer 2010

viel Arbeit, wenig Brot

Obwohl ich mir ein Moped mieten wollte um die Insel zu erkunden, habe ich, weil ein echter ‘Schreibfluss‘ über mich kam, volle zwei Tage im Malibu verbracht. Ich habe auch die angekündigte Mopedmiete für diesen und den nächsten Tag abgesagt, denn ich merke, dass ich hier gut arbeiten kann, und will das auch tun. Die Regenschauer, und der Stuhl, den ich inzwischen für meine Terrasse besorgt habe, befördern meine Arbeit in besonderem Maße. Ich kann nicht raus, aber ich kann sitzen (mit Strom). Ich bitte auch alle schwer schuftenden Leser des Blogs um Entschuldigung, dass ich meine Romanschreiberei als „Arbeit“ bezeichne.  Ihr müsst zu Hause knüppeln, und denkt wahrscheinlich, der Spinner hat genau das verwirklicht, was wir ein Traumleben nennen, und nennt das zur Tarnung dann ‘Arbeit‘.  Ihr habt ja Recht! Ohne diese selbst gestellte Aufgabe, am Ende jeder 6-monatigen Reise einen lesenswerten Roman abzuliefern, könnte ich die Trennung von Frau und Freunden nur schwer ertragen. Da ich es aber tatsächlich schaffe, am Ende eine spannende, interessante, oder vielleicht sogar auch Einsichten verschaffende Geschichte als Essenz mit nach Hause zu bringen, sehe ich in meinen Reisen, dem permanenten Sammeln von Eindrücken und deren Verarbeitung, einen Sinn. Ganz abgesehen davon, dass diese Eindrücke auch mein aktuelles Leben, obwohl, und vielleicht auch gerade weil  ich schon im fortgeschrittenen Lebensstadium angelangt bin, ganz außerordentlich und vorrangig bereichern. Ich stelle z.B. fest, dass ich mich eigentlich über kaum etwas mehr richtig aufregen kann. Alles ist wie es ist. Ist es wirklich inakzeptabel, dann gehe ich eben, aber ich gehe ohne mich aufzuregen. Beispiel vom heutigen Tag: Ich sitze ganz gemütlich im Restaurant am Meer. Zu diesem Zeitpunkt bin ich auch noch der einzige Gast, und ich trinke drei Bier, bevor ich mir endgültig ein Abendessen mit gegrilltem Fisch bestelle. Wie schon gestern, versuche ich ausschließlich mit Thai-Sprache klar zu kommen. Und das klappt hier besser als jemals zuvor. Weder in Bankok, noch bei unserer Freundin Pen, die ja selbst in der Lage ist Deutsch zu sprechen, kommen meine meine Thai-Versuche verständlich an. Hier ist auf einmal alles ganz anders! Ich kann bestellen was ich will, ich bekomme das auch. Die verstehen alles, freuen sich ungeheuer über den Farang der Thai spricht, und mit Hilfe des Wörterbuchs kann ich sogar entschlüsseln was sie antworten. Keine Zufallstreffer,  denn das funktioniert jetzt schon den zweiten Tag und bei mehreren Mädels dieses Restaurants. Jeder ist happy, bis zu dem Augenblick, als der Hund, der von draußen kommt, zwischen dem Nachbartisch und meinem, höchst geräuschvoll einen riesigen Haufen kotzt. Ich ziehe an einen anderen Tisch um, denn der eklige Geruch zieht exakt zu mir herüber, und in Erwartung des bestellten Fischgerichtes will ich mich dem nicht weiter aussetzen. Auf jeden Fall haben die Restaurantmädels, die das auch sofort bemerkt, und nicht wie oft regional üblich ignoriert haben, Zeitungspapier über den Kotzbrocken gelegt. Ganz unauffällig, und ohne die inzwischen eingetroffenen Gäste zu stören. Diese Abwägung zwischen dem dezenten Verdecken und dem offiziellen und auffälligen Wegräumen fand ich genial. Und es war genial bis zu dem Moment, als der frisch eingetroffene Österreicher seine Bekannten begrüßen wollte, die unmittelbar an dem Nachbartisch der umgekehrten Hundemahlzeit saßen. Der ist nämlich tollpatschig genau auf dieses Türmchen aus Zeitungspapier getreten, hat sich dabei weiter unterhalten, ohne zu bemerken in was für einen miesen Haufen er da gelatscht ist, und ist dann davon getrottet. Wäre mir ja auch absolut egal gewesen, aber der Geruch der nun frisch verteilten Hundekotze erreichte dadurch auch den Tisch, an dem ich in der Flucht vor genau diesem meinen neuen Platz bezogen hatte. Gelassenheit hat Grenzen.
Habe die Windrichtung genau geprüft, und bin noch einmal umgezogen. Die Mädels haben es zur Kenntnis genommen, und ich habe ihren Gesichtern entnommen, dass sie auch ohne Worte ganz genau wussten was, und warum ich es tat. Ich glaube, „Pappa“ hat ab heute hier Kredit, auch wenn ich das Königstreue beweisende rosa T-Shirt heute nicht getragen hätte.

Dienstag, 12. Januar 2010

Koh Phangan - Golf von Thailand

Montag, 11.Januar 2010

Chaloklum – der Fischerort





 Geht man durch die Wege und Straßen dieses Ortes, dann überwiegt ein Geruch. Nur kurz unterbrochen von Kloakenmief an einigen Stellen und frischer Meeresbrise an anderen, ist es der Duft der in der Sonne trocknenden Tintenfische und anderen Meeresgetiers an den man sich bestimmt zuerst erinnert, sollte man hierher noch einmal zurück kehren. Der Ort wirkt am Tage verschlafen, aber nett. In der Strandbar des Malibu-Restaurants läuft der unvermeidliche Bob Marley, am Nachmittag durfte aber auch Bob Dylan für eine ganze Stunde sein Bestes geben. Die Idylle wird etwas gestört durch die manchmal schreienden Kleinkinder der russischen Familien, aber es ist auszuhalten. Zum Glück habe ich für 230,- BHT noch einmal 50 Stunden Internetnutzung auf meine Simcard geladen. Das sind 4,50 EURO, und dafür hätte ich das WIFI-Angebot vom Betreiber der einfachen, aber akzeptablen Malibu Bungalows (Zimmer mit Frühstück 1000,- BHT= 20,- EUR), gerade mal 2 Stunden nutzen dürfen. Englisch sprechen nur sehr wenige Angestellte, und selbst Thai scheint hier nicht mehr verstanden zu werden. Zumindest geht die Bestellung einer großen Flasche Singha Bier in die Hose und ich bekomme eine kleine. Dafür wird in meinem Zimmer der Abfluss des Waschbeckens, der kein Wasser mehr rauslassen wollte, sofort repariert. Ich habe in der Anlage noch keinen Platz gefunden wo ich sitzen und schreiben kann, und Strom habe. Auf der Terrasse des Bungalows würde es gehen, aber dort ist kein Stuhl, nur die Hängematte. Bei Ebbe geht das Wasser weit zurück, und die Anwohner gehen Muscheln sammeln.




Sonntag, 10. Januar 2010

bunte Thai-Häuser




Sonntag, 10.Januar 2010



                                manche mögen´s weiß


manche aber auch absolut nicht. Die Fassaden mancher Häuser sind in sehr kräftigen Farben gestrichen. Das Leben ist nicht nur auf den Märkten bunt. Ob die innen auch so poppig angemalt sind?






Freitag, 8. Januar 2010

Insekten-Snack


Donnerstag, 07.Januar 2010

die Überwindung einer Grenze




Ich hab´s getan !
Seit vielen Jahren ärgere ich mich schon über den unüberwindbaren inneren Schweinehund, der es mir untersagt, einmal von der Vielzahl regional angebotener Insekten zu probieren. Heute habe ich ihn überwältigen können.  Von einer vollen Tüte mit Heuschrecken und Seidenraupen habe ich zwar nur zwei Heuschrecken und eine Seidenraupe gegessen, aber ich bin trotzdem stolz auf mich. Wir essen in unserem Kulturkreis so viele eklige Sachen, warum bringe ich es nicht fertig von diesem nahrhaften Insektenmahl einfach nur einmal zu naschen? Im Kopf war keine Begründung für eine solche Ablehnung mehr zu finden, und darum musste in diesem ständig andauernden inneren Zwist heute eine Entscheidung gefällt werden. Die Heuschrecken waren so unglaublich groß, aber die Köpfe dreht man zum Glück vor dem Verzehr ab. Es schmeckt eigentlich nur nach dem Gewürz, in dem die Tiere gebacken wurden, einen Eigengeschmack kann ich nicht feststellen. Dann kommt noch eine dieser Zahnseiderollen samt Hersteller, um die Beißleiste schön sauber zu halten, eine Seidenraupe. Kein geschmacklicher Unterschied, die Würzmischung die an ihr klebt war wohl die gleiche. Der Hund von Franz lehnt jeglichen Verzehr des Tütenrestes ab, er ist eben doch eher Feinschmecker.  

Dienstag, 5. Januar 2010

Lumpini-Park, Bangkok

Dienstag, 05.Januar 2010


Habe heute noch einen Ort aufgesucht, an dem ich bisher immer vorbei gefahren oder gelaufen bin, den Lumpini-Park. Sehe dort viele Warane herumlaufen, auch recht große, die selbst von den Einheimischen bestaunt werden. Auf einer Matte liegt ein dicker Mann auf dem Rücken im Halbschlaf. Er schiebt sich eine Hand in den Hosenbund und beginnt dann dermaßen ausgiebig seine Weichteile zu kratzen, dass es auch in Thailand bis zum Straftatbestand der ‘Erregung öffentlichen Ärgernisses‘ nur noch ein kleiner Schritt sein kann. Das war ´s dann erst einmal mit Großstadt, bis zum 04.Feb., wenn ich in Kuala Lumpur eintreffen werde.

Im Buddhismus sind das Diesseits und das Jenseits kompatibel. Im Diesseits werden die Programme geschrieben die im Jenseits laufen, und man hat es sogar in der Hand, ob man auf der anderen Seite mit einem komfortablen Mac bestückt sein will, oder schwierige Manöver, wie das Steuern eines Flugzeuges, mit einem kleinen Taschenrechner bewältigen muss. Sollte man sich so mies vorbereitet haben, dann stürzt man natürlich ab. Man nennt das Ganze ‘Karma‘ , eine höchst komplizierte Gesetzmäßigkeit im Zusammenspiel von Ursache und Wirkung. Und dieses komplexe Geschehen wollte mir die nette Wirtin vom Asia Kitchen mit ihren oberflächlichen Englischkenntnissen erklären, weil ich verstehen sollte warum die Thais so sind wie sie sind. Ich habe das dann abgebrochen und ihr gesagt, dass ich sehr gut wüsste, was sie erklären wollte, denn ich hätte mich selbst viele Jahre mit dieser Thematik befasst. Sie war sichtlich erleichtert, denn es ist sogar in der eigenen Sprache außerordentlich schwierig zu erklären, in einer fremden fast unmöglich. Wir unterhalten uns statt dessen über die Ängste im Volk, was geschehen wird, wenn der König mal stirbt, immer wieder unterbrochen von den Essenbestellungen der Appartementmieter, aber Dienst ist Dienst und sie hat in den vergangenen 3 Wochen auch keine T-Shirts mehr an ihrem Straßenstand verkauft, weil sie Rückenprobleme hatte. Jetzt kann sie wieder, aber es sind leider nicht mehr so viele Ausländer in der Stadt. Golf, mein Kaffeebuden-Chef, zeigt mir eine Tüte voller Stofftiere mit rundem, umhäkelten Tennisballkopf. Die hat seine Freundin gebastelt, die bei der Elektrizitätsgesellschaft arbeitet, und wodurch noch zusätzlich was in die Kasse kommen soll. Die Leute tun was. Mit ungeheurem Ideenreichtum mogeln sich alle durch das Leben. Wer auf der Strecke bleibt legt sich an die Straße, und bekommt auch durch Almosen vermutlich noch genug um zu Überleben.




Montag, 4. Januar 2010

Wat Saket und Giant Swing

was getan werden musste

                                könnt ihr mich sehen ?


Habe heute, nach dem Kaffee bei Golf, mal das abgehakt, was auf meiner Bangkok-Liste noch offen war: der Besuch des Wat Sakhet – Golden Mount – und der Giant Swing. Beides habe ich oft gesehen, aber nie richtig. Immer nur vorbeifahren ist nicht gut, und darum habe ich mir dafür heute viel Zeit genommen. Da ich auch viel gelaufen bin, gab es auch links und rechts des Weges ausreichende Eindrücke. Hinter dem Wat Sakhet, dort, wo noch die Holzschnitzer ihre Domäne haben, entdecke ich eine Werkstatt, die Untersetzer mit dem chinesischen Longlife-Symbol fertigt. Das wär´ was für zu Hause, aber ich kann die ja nicht mitnehmen. Merke das aber mal vor für den Bangkok-Besuch im April mit dem anschließenden Heimflug. Hatte in einem Swenssen´s Eiscafé an der Silom (CP-Tower) heute zum ersten Mal eine lustlose, ja sogar unfreundliche Bedienung. Das gab es in den vielen Läden der Kette bisher noch nie. Zur Strafe dafür muss das Mädel immer noch mit dem bekloppten roten Elchgeweih-Kopfschmuck herumrennen, denn der Weihnachtswahn ist hier absolut noch nicht vorbei. Allerorten tönen noch die Weihnachtslieder – Merry Christmas and a Happy New Year – sind auch am 04.Januar noch der Standardgruß. Wie kann es sein, dass in einem buddhistischen Land die Geburt von Jesus so ausgiebig lange und pompös gefeiert wird? Ich glaube die sind einfach heilfroh, dass sie den Typen mit der vernünftigeren Lehre als Religionsstifter erwischt haben, und sind darum so ausgelassen.
Bin heute mit dem Klongboot durch die Hinterhöfe Bangkoks und dem Chao Praya-Express auf dem großen Fluss gefahren. Und so sieht das aus: 





Sonntag, 3. Januar 2010

Zugfahrt nach Bangkok

Sonntag, 03.Januar 2010

wieder ‘zu Hause‘





Bin die ca. 300 Bahnkilometer für 2,- EUR mal in der dritten Klasse gefahren, auf den Brettern, die Thailand bedeuten. Wenn man nicht am Einsatzort des Zuges einsteigt, dann bedeutet dies mit großer Sicherheit, dass man 5 ½ Stunden steht, denn die Wagen werden richtig voll. Der Schaffner erklärt mir auf Thai, dass ich mein Handgepäck auch nach oben in die Ablage packen soll, denn die Bank auf der ich sitze ist für drei und nicht für zwei Personen. Hab´ ich verstanden, die Gesten, und dazu die Zahlen die ich kenne, lassen mich so etwas bereits verstehen. Als der Zug in Bangkok an einer Station hält, von der ich meine, dass sie ungefähr dort liegt wo ich hin will, steige ich in einem ungeheuren Müllberg aus und fahre nicht bis Hua Lamphong-Hauptbahnhof weiter. Diesmal sind es zwanzig Minuten in der Mittagshitze die ich zu gehen habe, und das ist für mich auch das Limit, mit dem vollen Gepäck.
Bekomme diesmal im 7. Stock wieder so ein wunderschönes, rundherum blitzsauberes  Appartement, die Handtücher sind wieder strahlend weiß und weich, das Klopapier fester, und im Kühlschrank liegen zwei Flaschen Wasser. Danke – Starry Place, ihr seid einfach Spitze! Wenn ich gleich vom Stadtgang noch gutes Brot, Käse und Leberwurst mitbringe, dann hat sich die Einsparung der Fahrt in der dritten Klasse doch gelohnt.

Aranyaprathet, Sa Kaeo-Provinz


Samstag, 02.Januar 2010

müde Provinz

Die Busfahrt zur Grenze verläuft reibungslos, und obwohl der in der flachen Reisanbauregion oft anhält, und in Siem Reap erst überall seine Fahrgäste einsammelt, sind wir in 3 ½ Stunden in Poipet. Von der kambodschanischen Ausreise bis zur thailändischen Einreise ist ein langer Weg für Leute mit Gepäck, aber statt die Gebäude näher aneinander zu stellen, hat man in dem Niemandsland lieber ein Spielcasino dazwischen gestellt. Legal – illegal –scheißegal.
Der Thaibeamte muffelt mich an, ich solle mir einen neuen Pass besorgen, dieser sei voll mit Stempeln. Ich sage ihm, dass ich den in der Tasche hätte, aber mein Visum doch im alten Pass drin ist, und dies meine dritte Einreise für dieses Visum sei. Widerwillig knallt er den Stempel rein, und natürlich war dafür auch noch ein Plätzchen zwischen den anderen Stempeln, nur eben nicht ‘exklusiv‘ , wie der Herr es gerne gehabt hätte. Auf der Thai-Seite kann man nun völlig unbehelligt von Taxi-, TukTuk- oder Mopedtaxifahrern die 7 km bis in die Stadt Aranyaprathet laufen, wenn man von Siem Reap kommt ist das eine völlig neue Erfahrung. Nur, ich will ja diese Mordsstrecke nicht laufen, ich will ein TukTuk. Gehe von der Hauptstraße weg zum Markt, da ist auch keines zu finden. Erst ein paar hundert Meter weiter steht einer, aber der sieht so grimmig aus, mit dem will ich nicht fahren. Gibt es hier keine netten, wie in Kambodscha? Offenbar nicht. Irgendwann halte ich ein vorbeifahrendes TukTuk an und wir fahren über einen riesigen chinesischen Friedhof in die Stadt Aranyaprathet zum Inter-Hotel. Ein Haus der Kategorie ‘kann man vergessen‘ aber für eine Nacht und 11,- Euro ok. Die Freundlichkeit der Leute hier fällt gegenüber der der Menschen in Kambodscha deutlich ab, ich glaube auch die Intelligenz, denn hier spricht fast keiner Englisch. In Kambodscha wird übrigens ein gut verständliches, klares Englisch gesprochen, und man muss nicht so aufpassen auf verdrehte und verschluckte Buchstaben und Silben, wie bei den Thais. Gegen Mittag versinkt der gesamte Ort im Halb-, wenn nicht gar im Tiefschlaf. Die Mädels in der Suppenküche schleppen sich Schritt um Schritt vorwärts, so, als ob jeder der letzte wäre. Am Abend ist etwas mehr Bewegung in den Leuten, und die Futterbuden sind gut besucht. Das Hotel macht einen derart ausgestorbenen Eindruck, das ich das Personal der dortigen Restaurantküche erst gar nicht bemühen will. Garantiert gibt es hier am frühen Morgen, wenn ich die ungastliche Stätte wieder verlassen möchte, auch kein TukTuk oder Mopedtaxi. Wird für mich dann wohl ein Gepäckmarsch vom ca. 15 Minuten zum Bahnhof. Sehe mal wieder Tennis im Fernsehen an: Venus Williams – Maria Sharapova, Austragungsort, das Intercontinental Hotel in Hua Hin. Die Russin gewinnt in zwei Sätzen mit großer Unterstützung von den Rängen. Russische Flaggen überall. Der russische Bär brummt inzwischen auch in Thailand schon lauter als der amerikanische Weißkopfseeadler schreit. In Cambodia hatten die Amis aber eindeutig die Oberhand. Übrigens gibt es beim Thai-Englisch keinen Unterschied, ob es auf der Straße gesprochen wird oder im Fernsehen. Der Sportreporter macht aus Williams –William, aus Sharapova - Shaláhpováh  und aus Intercontinental –Intercontinentann. Die Tom Kah Gai, eine meiner Lieblingssuppen mit Huhn und Kokosmilch, schmeckt in diesem Durchgangsort auch fürchterlich. Den Bahnhof habe ich auch ohne die Auskunft der Dame an der Rezeption gefunden, die, obwohl ich das Geräusch einer Dampflok imitiere, in die Ferne zeige und Bangkok sage, nur ‘I don´t know‘ herausbekommt. Na klar, wenn die Strecke mit Dieselloks befahren wird, dann kann sie das Geräusch ja auch nicht kennen. Zum Glück hatte ich mir den Ort gestern auf Google von oben angesehen, und wusste den Weg. Ein Ticket bekomme ich dort aber nicht, die werden nur am Abfahrtstag verkauft. Abfahrt 06:40 Uhr, Schalter öffnet um 6 Uhr. Gehe früh schlafen, Touris habe ich seit meiner Ankunft keine hier gesehen. Die sind an der Grenze gleich alle in die weiterführenden Busse umgestiegen. Hätte ich das vielleicht auch machen sollen? Egal, auch so ein Nest ist eine Reiseerfahrung.


Freitag, 1. Januar 2010

Cheers - Happy New Year

Freitag, 01.Januar 2010

schnelle Party

Bin vom Guesthouse-Personal zur Silvesterfeier eingeladen, freies Essen – freies Trinken. Um 19:30 Uhr ist die ganze Meute schon dermaßen am Zechen, dass ich den Chef frage, ob die das wohl durchhalten bis Mitternacht. Er meint, die würden das jedes Jahr hinkriegen. Meine Skepsis ist angebracht, denn von den ca. 30 Männlein und Weiblein sind um Mitternacht nur noch etwa 5 unter den „Lebenden“.

Es gibt Beer-Lao und Angkor in Dosen, und es pausenlos wird damit angestoßen und ein frohes neues Jahr gewünscht, auch schon um 19:30 Uhr. Mit jeder Dose Bier muss ich etwa zwanzig mal anstoßen, das wird fast lästig. Zur kambodschanischen Techno-Rap-Schlagermusik wird abgerockt, der verzogene kleine Bengel des Chefs darf dazu die ganze Zeit in das angeschlossene Karaoke Mikrophon krähen. Vermutlich gibt es zu jedem Song ein Video, das die hier alle aus dem EffEff kennen, denn es kommt zu spontanen Gruppentänzen mit Choreographie. Die hübsch herausgeputzten Mädels vergessen auch beim Rocken nicht die anmutigen Handbewegungen der traditionellen Tänze, die Männer drehen auch die Hände und balzen ansonsten wie die Gockel. Auf jeden Fall wirkt eine solche Feier hier sehr modern und offen, ganz anders als z.B. in Sri Lanka, wo nur die Herren tanzen und saufen, und die Frauen irgendwo im Hintergrund an ihrer Cola nuckeln. Eine Verlosung der Geschenke bringt großen Spaß, besonders als ich eine rosarote Handtasche aus Plastik und Plastiksandalen aus meiner Box ziehe und damit tanzen muss.

Ich merke, dass das Mädel, welche mein kleines Päckchen mit einem Brustbeutel und einer Mischung verschiedener Süßigkeiten bekommen hatte, damit ganz offenbar nicht so glücklich ist. Schweren Herzens trenne ich mich von der pinkfarbenen Handtasche wieder und gebe sie ihr, da ist die Welt wieder in Ordnung.
Ich stoße mit dem harten Kern der Mannschaft weiter an und wünsche konsequent „happy old year“, denn was soll ich sonst zum Jahreswechsel wünschen. Unmittelbar nach 12 ist die Party vorbei, alle haben sich blitzartig verzogen.


Habe heute entschieden, wie ich weiter reisen werde. Statt durchzuziehen bis Bangkok, dazu müsste ich mit dem Taxi für 30,- USD bis Poipet Grenze fahren, werde ich morgen den Bus nehmen, und auf der Thai-Seite im Grenzort Aranyaprathet übernachten. Das ist stressfreier und insgesamt billiger. Einzige Aufgabe ist heute also lediglich die Besorgung des Bustickets, ansonsten lasse ich es locker angehen.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Angkor Wat und Banteay Kdei

Donnerstag, 31.Dezember 09 – Silvester –

Angkor Wat – der See


Nochmal etwas zu gestern. Ein Mädchen vorm Damm zum Eingang von Amgkor Wat bot Wasser, Postkarten und Bücher an, wie die meisten Verkäufer hier, mit kräftiger Stimme, und gar nicht schüchtern. Nachdem ich dankend abgelehnt hatte, kam ein neues Angebot: ein kostenloser Parkplatz für mein Fahrrad, wenn ich ihr was abkaufe. Ich erkläre ihr lachend, dass ich in ganz Asien noch nie für das Abstellen eines Fahrrades oder Mopeds bezahlt hätte, und das ganz sicher auch in Angkor nicht tun würde. Ich stelle mein Fahrrad ab und gehe. Ich habe ja wirklich Interesse an so einem Buch, aber ich reise noch über drei Monate weiter und will mir kein zusätzliches Gepäck auflasten. Darum kann auch die ganz besonders pfiffige Starverkäuferin, dir mir bei der Rückkehr  ihr Programm offeriert, auch kein Geschäft machen. Dann will sie aber wenigstens noch ein Gespräch mit dem Ausländer, und das verläuft so:
„Woher kommst du Sir?“ „Aus Siem Reap“ „Nein, ich meine wo du wohnst.“ „In Siem Reap“ „Du wohnst da bestenfalls im Guesthouse, aber egal, wie du willst. Wohin gehst du jetzt?“ „Nach Hause“  Sie verzieht das Gesicht „Du gehst ins Guesthouse, und nicht nach Hause!“ „Doch, ich bin müde, will duschen und fahre jetzt nach Hause“ „Du bist ein Lügner, Sir.“ Sie grinst ungeheuer nett, und ich finde, das ist ein bemerkenswertes Gespräch, obwohl ich ihr am Ende nicht sage was sie hören will, nämlich dass ich aus Deutschland komme.

Der junge Mann beim Frühstück fragt schüchtern und mit ständigen Verbeugungen, wie mir Cambodia gefällt, und ob ich den Weg finden würde, wenn ich mit dem Fahrrad hinausfahre nach Angkor. Den kenne ich, wähle aber diesmal eine andere Straße, die in Richtung Angkor mit Durchfahrt verboten gekennzeichnet ist. Einbahnstraße – falsche Richtung. Bei zwei Polizeiposten, die ich passiere, kann ich ungeschoren vorbeifahren. Die Straße endet hinter den Parkplätzen vom Angkor Wat, und ich denke gerade, dass ich alle Ticketkontrollen umgangen habe, da winkt aus dem Gebüsch auf der anderen Straßenseite eine Dame in Uniform: Ticketkontrolle. Sie blickt auf mein 3-Tages-Ticket mit dem letzten Gültigkeitstag. „Sorry Sir, last day“  Ja, leider der letzte Tag. Wer weiß wozu es gut ist, denn nach drei Tagen Angkor zeigen sich die ersten Symptome einer seltenen Krankheit, die einige Touristen hier schon am ersten Tag erwischt: N.A.F.T. (Not Another F... Temple). Bei mir ist eine Variante des Virus aufgetreten: N.A.F.J.G. (Not Another F... Japanese Group).


Ich umrunde mit dem Fahrrad den See und sehe ein weiteres Wunder von Angkor Wat. Der riesige, quadratische See war mit Steinblöcken in mehreren Schichten, die wie Stufen zum Wasser führten eingefasst. Unglaublich! Der Weg ist kaum befahrbar, mal muss ich absteigen und mal das Rad tragen, und ich hoffe inständig, dass hier alle Landminen geräumt wurden. Aber es ist traumhaft. Immer wieder tauchen zwischen den Bäumen der Tempelinsel die Türme des Wat auf, und eine ganze Stunde lang nur das Geraschel und Gezwitscher der Tiere. An zwei Stellen saßen Fischer am Ufer. Betrete Angkor Wat heute durch das ziemlich verfallene Tor der Ostseite, aber die Apsaras (Tänzerinnen), die ja überall in der Anlage Wände und Säulen schmücken, sind hier wunderbar erhalten. Nach dem zweiten Besuch vom Wat, diesmal mit Fotoapparat, radele ich weiter, und ein kleines Mädchen mit Postkarten, von denen ich wieder einmal keine kaufe (ich hätte jetzt ungefähr 800) , fragt wohin ich will, als ich in den Waldweg einbiege. Ich sage nach Banteay Kdei, einer weiteren Tempelanlage, und sie weiß ganz genau „This way is the right way, 6 km, Sir, and good luck to You and a Happy New Year.“  Ich falle fast vom Rad, als ich in ihr strahlendes, lächelndes Gesicht blicke. Die Kleine ist vielleicht zehn Jahre alt. Immer wieder fällt in Kambodscha auf, wie sehr die Menschen sich über kleine Unterhaltungen freuen, auch wenn sie nicht ihr Zeug verkaufen können. Das ist sehr schön.

Wünsche allen Lesern des Blogs ein gutes neues Jahr 2010, Gesundheit und Zufriedenheit. Mir selber kommt es so vor, als müsste ich immer wieder mal meine Citizen mit Eis kühlen, weil sie so schnell rennt, die Zeit so rasch vergeht. Bin doch eben erst abgereist, und schon ist 2010.






Mittwoch, 30. Dezember 2009

Angkor Wat

Mittwoch, 30. Dezember 09


Habe gestern, zusammen mit den Cloppenburgern, ein kleines kulinarisches Experiment gewagt, und ein ‘Cambodian BBQ‘  bestellt. Im Degustations-Menü sind u.a. Krokodil und Schlange dabei, auf dem Tisch steht ein Tischgrill. Wir waren uns einig, dass das Fleisch des Krokodils zwar nicht schlecht schmeckt, aber doch ziemlich hart und zäh ist. Schlange hingegen ist ein Hochgenuss! Wunderbares helles Fleisch, heller als die Hähnchenfleischstücke, aber in Konsistenz und Geschmack dem Geflügelfleisch sehr ähnlich. Es hat einen etwas besseren, leicht kräftigeren Geschmack als Huhn. Bin begeistert, das will ich zu Hause demnächst auch haben. Ich habe nachgefragt, ob das die Schlangen aus dem Tonle Sap See sind, aber sie erklärte, dass dies Landschlangen wären, die extra in Farmen für den Verzehr gezüchtet werden.
Die Cloppenburger sind heute weiter gereist, und ich bin wieder nach Angkor geradelt.
Diesmal wollte ich ausschließlich Angkor Wat ansehen und habe mich auch volle vier Stunden in der gewaltigen Anlage aufgehalten. Die Restaurationsarbeiten, die u.a. auch vom Deutschen Auswärtigen Amt gefördert werden (German Apsara Conservation Projekt GACP), haben es leider nicht ermöglicht, bis in das Allerheiligste vorzudringen, den innersten Bereich. Aber es gab so unendlich viele Eindrücke, man müsste wirklich eines der tollen Bücher kaufen, die hier in allen Sprachen angeboten werden, aber ich will ja nicht noch in den nächsten 3 Monaten so ein Buch mit mir herumtragen müssen. In den Innenhöfen liegen viele Trümmerstücke, die noch zugeordnet werden müssen. Es fällt auf, dass nahezu alle Figuren, insbesondere die Buddha-Darstellungen, ohne Kopf sind. Es kann nicht sein, dass die gesamten Figuren in gutem Erhaltungszustand sind, und nur die Köpfe die Jahrhunderte nicht überstanden haben. Das ist eindeutig das Werk von Kunstdieben, und leider auch von ignoranten Hindus aus der Antike, die in der wechselvollen Geschichte Angkors dem Buddha an den Kragen wollten. Mit Fotos kann ich leider nicht dienen, denn ich habe bewusst die Kamera nicht mitgenommen, um wirklich in Ruhe die gesamte Anlage auf mich wirken zu lassen, ohne dieses Architekturwunder hauptsächlich auf dem Kameradisplay zu sehen.  Habe mich daher auch nicht an die Fotografenregel gehalten, erst ab 14 Uhr Angkor Wat aufzusuchen, weil dann die Lichtverhältnisse besser sind, sondern war zur relativ ruhigen Lunch-Zeit dort. In einigen spektakulären Innenhöfen war ich teilweise sogar für Minuten alleine mit dem ungeheuren Steinberg dahinter. Die höchste Kuppel ist etwa so hoch wie Notre Dame, und wurde auch ungefähr zur gleichen Zeit erbaut. Jetzt bin ich erst mal reif für eine kleine Mittagsruhe, und morgen fahre ich dann zum letzten Mal hinaus zur den Zeugnissen aus einer fremden, untergegangenen Kultur.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Angkor Archaeological Park

Dienstag, 29.Dezember 09


„Ich sehe wunderbare Dinge“

... das soll Howard Carter beim Öffnen des Tut Anch Amun-Grabes gesagt haben. Ich habe das heute zumindest ein  paar Mal gedacht, denn ich wollte inmitten der Heerscharen von Besuchern der historischen Tempelanlagen keine Selbstgespräche führen. Bin gegen 8:30 Uhr mit dem Fahrrad hinausgefahren, die Sonne gab schon ihr Bestes. Auf halbem Wege dann ein drei Tages-Ticket für 40,-USD erstanden und weitere 20 Minuten bis zum künstlichen See, der Angkor Wat umgibt. Das Wat selbst ist nur ganz kurz zu sehen, ich radele vorbei, denn heute sind erst die anderen Tempel dran. Zuerst der Bayon, der zur Anlage von Angkor Thom gehört.

Die steinernen Gesichter an den Türmen sind sehr eindrucksvoll. Wunderbare Lichteffekte ergeben sich, wenn die Sonnenstrahlen Bereiche der dunklen Innengänge und Kammern erleuchten. Es ist wirklich eine große Menschenmenge unterwegs, aber trotzdem finde ich Höfe und Gänge, in denen ich lange alleine bleibe, und auch große Bereiche an den Außenseiten, die ich ohne Touristen darauf fotografieren kann. Ich radele ein Stückchen bis zum Baphuon, der gerade von den Franzosen restauriert wird. Die gesamte untere Terrasse des hinteren Tempelteiles ist ein liegender Buddha, gewaltig in den Ausmaßen. Wenn diese riesige Figur aus Steinquadern wieder so restauriert ist, wie sie vielleicht einmal ausgesehen hat, wird dies bestimmt eine weitere Attraktion von Angkor.

Und so geht es weiter mit dem klapprigen Rad, das im Tretlager schlimme Geräusche macht, so dass ich schon annehme, damit nicht wieder bis Siem Reap zurück zu kommen. In aller Ruhe schaue ich mir auch die kleineren Tempel an, und dort sind schon absolut keine Touristen mehr anzufinden. Dabei ist die Stimmung dort viel eher so, dass man sich in die Zeit zurückdenken kann, als diese gewaltige Anlage noch belebt war. Nach fast 7 Stunden erreiche ich mit einem völlig nassgeschwitzen Krama, dem Khmerschal, den ich mir um den Kopf gewickelt habe zum Schutz gegen die brennende Sonne, wieder das Two Dragons Guesthouse. Die alte Möhre hat es doch noch wieder geschafft. Das reicht aber nicht, die nächsten beiden Tage muss das Rostrad auch noch überstehen. Meine Eintrittskarte für 3 Tage ist dermaßen durchgeschwitzt in der Brusttasche, das eine Ecke schon angerissen runterbaumelt. Muss mir gleich mal Tesa besorgen und das Ticket, mit meinem Foto drauf, ein wenig zusammenflicken, sonst komme ich morgen vielleicht schon nicht mehr rein damit. So, der Durst ist groß! Nach dem ersten großartigen Tag Angkor, gibt es gleich das Happy-Hour Angkor-Bier.


    






Montag, 28. Dezember 2009

Siem Reap per Fahrrad


Montag, 28.Dezember 09

Radeln in alle Richtungen

bin gegen 9 Uhr mit dem Fahrrad losgefahren. Zuerst, zum Eingewöhnen an diese Art des Rechtsverkehrs, die mit der unsrigen nicht das Geringste zu tun hat, fahre ich eine City-Runde. Als ich an die Nationalstraße 6 komme, und eigentlich auf die andere Seite müsste, mache ich es genauso wie die Einheimischen, ich fahre einfach auf der falschen Straßenseite bis zum nächsten Abzweiger. Ab sofort habe dafür auch Verständnis und  schimpfe nicht mehr über die vielen Geisterfahrer, denn man kommt, zumindest mit dem Fahrrad, wirklich nicht über so eine Hauptstraße wenn keine Ampelkreuzung in der Nähe ist. Im Süden der Stadt fahre ich kleine, staubige Sandpisten, die hinausführen, und dann wieder hinein in die City, diesmal in Richtung Norden. Als ich das Schild sehe mit dem Hinweis, dass dies die Straße ist zum archäologischen Park von Angkor, fahre ich einfach mal da hinaus, um zu sehen ob das per Fahrrad und praller Sonne von oben zu machen ist. Als ich die Ticket-Station, auf der Hälfte des Weges nach Angkor Wat, erreiche muss ich umdrehen, denn ab hier braucht man die Eintrittskarte. Die kostet 40,- USD für drei beliebige Tage in der Woche, aber die habe ich nicht dabei. Frage aber nach, ob auf der Site mit dem Fahrrad fahren darf, das geht. Die Pisten abseits der Hauptstraße sind Dreckschleudern. Kambodscha ist ein ungeheuer staubiges Land. Der gelbe und rote Sand ist pulvertrocken, und bei der Berührung mit irgendeinem sich drehenden Reifen, wird eine Staubfahne aufgewirbelt, die Luft und Landschaft in rotem Nebel verschwinden lässt. Nach 2 Stunden auf dem Rad habe ich das Gefühl, ich sein eingebacken in eine Kruste aus Staub. Bei der Fahrt durch die Hütten am Fluss, nördlich von Siem Reap, grüßen freundliche Menschen aus ihren Bretterverschlägen auf Stelzen. Leider gleicht die Fahrt etappenweise auch der Besichtigung einer riesigen Mülldeponie, Asien eben. Die Menschen haben kein Gespür für ihre Umwelt, haben es nie gelernt. Auch die buddh. Tempel Wat Po Lanka und Wat Bo werden, da an zwei Seiten offen, als Durchgangsstraßen genutzt, und versinken mit all ihren Wandmalereien, Schnitzereien und Steinmetzarbeiten im Staub. Im Wat Bo ist ein Bereich mit Grabstupas gleichzeitig Müllplatz, und man glaubt nicht, dass man sich im  bedeutendsten Tempel der Stadt bedindet.


Der Security Mann und Parplatzeinweiser vor einem neuen Restaurant und Supermarkt freut sich, dass ich mit ihm rede. Andere hätte ja nie Zeit oder Lust um ein paar Worte zu wechseln, meint er, und ich solle allen in Deutschland schöne Grüße, vielen Dank und frohe Weihnachten bestellen. Danke dafür, dass Deutschland so viel geholfen hat. Er meint u.a. das von Deutschland unterstütze Landminen-Suchprogramm, das SOS-Kinderdorf und die Hospital-Hilfen. Nun, Weihnachten ist zwar vorbei, aber ich gebe die Wünsche gerne weiter. Nehmt die netten Wünsche einfach schon für Weihnachten 2010.
Nachdem ich nun geduscht habe, und der rote Dreck von meinem Körper runter ist,  werde ich mich jetzt wieder auf das klapprige Leihfahrrad schwingen und zu Swenssen´s radeln. Habe tatsächlich eine Eisdiele mit diesem Supereis in der City entdeckt. Hoffentlich bleibt jetzt die Kette drauf, denn ich will nicht wieder mit Mechanikerpfoten rumlaufen. Als das eben passierte, war aber auch sofort jemand da, der helfen wollte. Die Menschen sind wirklich sehr nett hier.            

Sonntag, 27. Dezember 2009

Siem Reap

Sonntag, 27.Dezember 09

nettes Städtchen




Bin heute recht früh losgegangen, um mal eine Vorstellung von den Entfernungen zu bekommen und einen ersten Überblick über die Stadt. Siem Reap ist auf jeden Fall überschaubar, man kann gut gehen (viel besser als in P.P.), allerdings geht hier das Leben ganz offenbar wieder, wie gewohnt, erst später los. P.P. war da sicher eine Ausnahme. Die Bars, Restaurants, der Nachtmarkt, ein großer Teil der touristischen Infrastruktur ist auf den Abend ausgerichtet. Durchlaufe in zwei Stunden den gesamten Bereich meines Stadtplans und werde in den nächsten Tagen wohl so einige Dollars für Fahrten zu den antiken Khmer-Tempeln ausgeben, denn hier kann man nicht eine ganze Woche lang was unternehmen. Das Museum war mir 12,-USD plus 3,- für den Audio-Guide ganz eindeutig zu teuer. Das ist  unverhältnismäßig.(Nationalmuseum in P.P. =3,-).
Dafür stehen vor dem 5-Sterne Victoria-Hotel drei wunderbare Citroen Oldtimer, geschätzt 1928-1930. Werde den Nachmittag heute nutzen um weiter am Buch zu arbeiten, und morgen Nachmittag dann die Cloppenburger treffen.








Ohne es zu wissen haben die Erbauer der vielen dutzend Tempelanlagen von Angkor für den heutigen relativen Wohlstand in Siem Reap und der Umgebung gesorgt. Wie viele Generationen sind 1000 Jahre? Damals waren es Könige, heute nennt man diese Könige ‘Politiker‘, und die bringen es fertig, sogar schon die nächste Generation in einem Berg von Schulden untergehen zu lassen, und wissen das auch. So ändern sich die Zeiten.

Auf dem Nachtmarkt ist was los. Im Dunkeln, und mit den bunten Lichtern, sehen die Gassen um den zentralen Markt und den Nachtmarkt richtig nett aus. Die Musik aus den Lautsprecherboxen der Restaurants und Bars dringt nach außen, und ist auch nicht immer ansprechend, aber sie ist dezent in der Lautstärke. Eine außerordentliche Seltenheit in Asien. Ich frage mich, wer will zum Abendessen Rap hören; beängstigend genug, dass diese Nicht-Musik für Hobby-Gangster überhaupt Anhänger findet. Ein Mädel wirbt für die Spezialitäten ihres Hauses: Schlange, Frosch, Krokodil. Ich sage ihr, dass dies nicht unbedingt meine Favoriten sind, und sie nicht böse sein soll wenn ich weiter gehe. Sie lacht herzlich, und ist auch überhaupt nicht enttäuscht darüber. So wie sie reagiert hat glaube ich ganz sicher, dass sie das Zeug auch nicht mag. Obwohl ich ernsthaft darüber nachdenke, mir so einen Spieß mit gegrilltem Handtaschenfleisch mal zu bestellen. Die sind hier absolut frisch, denn in der Nähe sind die großen Farmen. Gefüttert werden die Krokos u.a. mit den Schlangen aus dem Tonle Sap – See. Die Kinder, die die Armreifen und Postkarten verkaufen, sind überaus charmant und absolute Spitzenverkäufer. Manche Touristen rüffeln sie an und wollen nicht angesprochen werden. Hat man aber ein nettes Wort für sie, auch wenn man nicht kauft, dann machen sie sehr gerne Scherze und freuen sich über einen kleinen Plausch. Überall stehen Wasserbecken mit kleinen Fischchen, die den Besuchern die abgestorbenen Hautschuppen von den Füßen knabbern. „Dr. Fisch-Massage“ heißt das Vergnügen, soll sehr angenehm sein, und kostet für 20 Min. 3,- USD. Ich sage zu dem Jungen, der mich für so ein Fußanknibbeln gewinnen will, dass ich Fische lieber esse, und er antwortet schlagfertig „ja dann lass die doch auch mal von dir essen“. Rundherum macht es Spaß in Siem Reap durch die belebten Straßen im zentralen Bereich der Stadt zu bummeln. Die Leute sind unaufdringlich und die Atmosphäre ist angenehm.    






Samstag, 26. Dezember 2009

Fahrt nach Siem Reap

Samstag, 26.Dezember 09





Das Loch, das Hitlers Brüder in Phnom Penh in meine Seele gerissen haben, hat heute die richtige Behandlung erfahren und heilt hoffentlich auf diese Weise bald wieder. Die beste Medizin waren die behutsamen Bilder einer Ausstellung, die vor dem Busfenster an mir vorbei zogen: Kambodscha heute. Ich genieße die 6-stündige Fahrt mit dem Uraltbus, diesmal habe ich den Fensterplatz und die Oberhoheit über den Vorhang. Niemand kann mir, weil er selber nichts sehen will, durch Zuziehen die Sicht nehmen. Ich sehe Szenen aus dem Stadtleben wie aus dem Landleben, und Menschen, die erfindungsreich die ungewöhnlichsten Dinge tun um ihre tägliche Ration Reis zu sichern. Kambodscha ist an 7. Stelle der ärmsten Länder Asiens, mit einem Bruttoinlandsprodukt von ca. 1.600,- EUR jährlich pro Kopf der Bevölkerung. Das die Menschen hier ärmer sind als in den anderen Ländern Süd- und Südostasiens, die ich bisher bereisen konnte, fällt mir dadurch auf, dass hier  n i c h t  jede Stroh-, Holz-, oder Wellblechhütte eine Fernsehantenne am Mast oder auf dem Dach hat. Die beiden Statussymbole, die sonst allgemein in Asien nach außen hin anzeigen, „wir haben es geschafft“, fehlen bei großen Teilen der Bevölkerung hier noch komplett: Fernseher und Moped.
Die Baguettes in der Vitrine eines Verkaufsstandes am Bus-Terminal in Phnom Penh werden dadurch aufgefrischt, indem die Verkäuferin eine Zeitung zusammendreht, vorn anzündet, und mit der Flamme um die gestapelten Baguettes streicht.
Gestern abend fragte mich der junge Mann im Boddhi-Tree GH in einer ruhigeren Minute, was ich eigentlich so machen würde. Ich sei so lange in P.P., viel länger als andere Gäste, die immer schon nach spätestens drei Tagen wieder weg wären, und ich würde immer so viel schreiben. Was mir dazu spontan einfiel gefällt mir im Rückblick sehr gut. Ich habe ihm gesagt, ich sei ein ‘Collector of Impressions‘. „Und da kannst du Geld mit verdienen?“ war seine direkte Frage darauf. Ich habe gesagt, ich würde sogar noch viel Wertvolleres als Geld dafür bekommen, denn ich würde so das Leben kennenlernen, und den Sinn und die Bedeutung verstehen für ganz viele Dinge die ich sehe. Er überlegte ganz kurz und stellte dann fest, dass ich so ganz sicher mehr lernen würde als beim Studieren auf einer Universität, und ich glaube, er hat Recht.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Tuol Sleng Genocide Museum - S 21

Donnerstag, 24.Dezember 09

Heiliger Abend ?

Habe mir gezielt diesen Tag ausgesucht um das letzte grausame Türchen zu öffen. Ein weiteres Tor zur Hölle, Dantes Inferno – Tuol Sleng, Prison S-21. Damit will ich dann die Beschäftigung mit der neueren Geschichte Kambodschas abschließen, und mit der Abfahrt nach Angkor, in die glorreichere Vergangenheit abtauchen. Die angehängten Links sind sehr interessant, für die Leser, die sich ein paar der Grausamkeiten von S-21 antun wollen. Faszinierend ist, dass durch die Dokumentationswut der Mörderbande die Fotos der Ermordeten jetzt dort hängen. Man schaut den Opfern in die angsterfüllten Gesichter, und sie sind nach einem Besuch an diesem furchtbaren Ort nicht mehr anonym.
www.tuolsleng.com




Besinnlicher konnte ich diesen Tag kaum begehen. Das meiste, was mir nach dem Besuch der Killing Fields und von S-21 zum Thema ‘Gott und die Welt‘ durch den Kopf geht, und das gerade an dem Tag, an dem die Christenheit so freudig die Geburt vom Sohnemann feiert, habe ich in meinem ersten Roman „Das Majapahit-Geheimnis“ bereits ausgiebig verarbeitet und niedergeschrieben, dem ist nichts hinzuzufügen. Nur vielleicht noch so viel: Wenn das Sprichwort richtig sein sollte, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann gibt es an diesem 24.12. eigentlich nicht sehr viel zu feiern. Zu oft, an zu vielen Orten, und gerade hier aktuell, habe ich nämlich mit eigenen Augen sehen müssen, wie der Vater drauf ist. Um Himmels Willen (ich verwende bewusst nicht ‘Gott bewahre‘), wenn so ein Versager auch noch Gleichgeartete in die Welt entlässt. Die Sache mit den Ebenbildern reicht da schon vollauf. Man kann nur hoffen, von mir aus auch ‘glauben‘, dass in diesem Märchen der Sohn völlig missraten ist, und nicht in die Fußstapfen des Alten tritt.

Ich wünsche allen Lesern des Blogs ein geruhsames Weihnachtsfest, und sende den schönsten Weihnachtsbaum mit, den ich je gesehen habe. Einen aus Zweigen und Goldfolie  gebastelten Bodhi-Baum, mit Lichterkette. Der Bodhi Baum ist eine Ficus-Art (ficus religiosa), und die Gattung Baum, unter dem der Buddha die Zusammenhänge der Welt erkannte (Erleuchtung). Außerdem ist er das Symbol des wirklich bemerkenswerten Boddhi-Tree Guesthouses, mit diesem wunderbaren Personal. Für mich, in dieser Ausstattung als interreligiöses Symbol, ein wunderbarer Beleg für die Offenheit der Buddhisten im undogmatischen Umgang mit anderen Religionen. Allerdings konnte ich nicht herausbekommen, warum man in den Boddhi-Tree Hotels und Guesthouses dieses zusätzliche „d“ in den Bodhi-Baum gehängt hat. 








Mittwoch, 23. Dezember 2009

Choeung Ek Memorial - Killing Fields

Mittwoch, 23.Dezember 09

Russenmarkt

Russenmarkt ? Da mag mancher Leser im Blog, und ich denke da insbesondere an den Raum Cloppenburg, denken:  den haben wir hier auch. Hier heißt der so, weil die Russen die ersten Ausländer waren, die in größerer Anzahl nach 1980 in der Stadt auftauchten und einkauften. Während der Pol Pot-Zeit war Phnom Penh komplett evakuiert und menschenleer. Die Stadtbewohner mussten allesamt in den Feldern im Land arbeiten, bis zu 15 Stunden täglich. Der Russenmarkt ist dunkel, die Gänge sind dort sehr eng – nichts für Klaustrophobiker. (Das ist der Nahrungsmittel – Motorradclub von Klaus : Klaus – Tropho – Biker). Die Brutzelküchen sehen nicht sehr einladend aus. Gehe zurück, und spreche tatsächlich mal einen Mopedtaxi-Fahrer an, was er für eine Fahrt zu den Killing Fields 15 km südwestlich der City haben will, und was soll ich sagen, der kennt die nicht! Da bin ich bisher etwa 1000 mal angequatscht worden, ob ich ein Mopedtaxi möchte, und die touristischen Höhepunkte wurden heruntergebetet, darunter immer auch die Killing Fields, und der eine, den ich anspreche, der kennt die nicht. Ich habe sogar den Khmer-Namen parat: Choeung Ek , aber er zuckt die Schultern. Pech gehabt Junge. Gehe vietnamesische Pho (Fö)–Suppe essen, mit ein paar grünen Zweigen die was von bitterer Medizin haben und demnach bestimmt sehr gesund sein müssen.


Dann fahre ich mit dem Fahrer, mit dem ich schon ein paar Mal geredet habe, zu den Killing Fields. Ich bin mir jetzt ganz sicher: Ich fahre lieber in Thailand links als in Kambodscha rechts ! Hier würde ich nie ein Moped mieten in einer Stadt. Die Verkehrsdichte ist bei geschätzten 3 Mio Einwohnern und einer Fläche, die man locker in ein paar Tagen erwandern kann, natürlich gewaltig. Loddonäng, so habe ich seinen Namen verstanden, macht das ganz prima, wie er so in den gewaltigen Strom von Gegenverkehr hineinsteuert. Dafür würde er bei uns zum Selbstmörder des Monats, hier ist das die einzige Chance abzubiegen, denn der Strom reißt garantiert bis zur Nacht nicht wieder ab. Ich denke, warum noch weiter fahren, das sind ja alles Killing Fields hier, aber es passiert natürlich nichts und wir erreichen die Gedenkstätte ohne Probleme.
 


Was ich dort sehe und anhand der Dokumentationstafeln lese ist unbeschreiblich. Auf einer Tafel steht geschrieben, dass die Roten Khmer eine grausamere Tötungsmaschinerie betrieben als Hitler. Ich will das nicht bewerten, aber Tatsache ist, dass hier ausschließlich in „Handarbeit“ getötet wurde. Die Exekutions-Handwerker mussten auf Lkws angelieferte Menschen teilweise erst noch mal einsperren, weil sie es am gleichen Tag nicht mehr schaffen konnten mit Hacken, Schaufeln, Beilen und Bambusrohren die Menschen in den Massengräbern zu töten. Ich erspare die weiteren Details, aber es ist seltsam dass man hier das Gefühl hat, die rechnen ab mit den Verbrechern, es andererseits aber nicht hinbekommen Duch zu verurteilen. Eingesperrt ist er ja wenigstens. Einsperren sollte man auch die Besucher, die lachend und scherzend durch die Massengräber rennen, und in der Pagode mit den knapp 9.000 Schädeln die besten Fotopositionen suchen. Die glauben wohl, man habe u.a. auf über 380 solcher Killing Fields mehr als 2 Mio Menschen umgebracht, damit Kambodscha heute ein paar Touristenattraktionen mehr hat.
http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7266228.stm

Walkin´ in P.P.

Will noch mal was zum Gehen in der Stadt erzählen, denn gestern ist mir ein Autofahrer mit dem Rückspiegel voll gegen den Arm geknallt, so dicht musste der vorbei brettern. Das hat zum Glück nur gescheppert, und nicht so weh getan. Aber da ich beim Gehen auch nicht wilde mit den Armen herumschlenkere, sondern die dicht am Körper halte, kann man sich vorstellen wie er mich erwischt hätte, wäre er nur einen Zentimeter näher gekommen. Konnte ihm nur noch den Mittefinger hinterherzeigen, auch ohne zu wissen was das hier bedeutet, aber ich denke dieser Fingerzeig wird international verstanden. Manchmal ist das aber auch ein Hindernislauf unter erschwerten Bedingungen: zuerst kommt die vorm Haus aufgetürmte Ware oder das Straßenrestaurant. Dann der Müll und die Baustoffe, dann parkt ein Auto. Aber nicht wie bei uns parallel zur Straße, sondern mit der Front zum Haus. Das heißt, das Heck ragt schon weit in die Straße und man muss immer auf die Straße, will man irgendwie daran vorbei kommen. Betritt man die Straße, dann sind in der ersten Spur zuerst die Karren der Händler, um die muss man natürlich auch noch rum und steht dann schon fast auf der Straßenmitte. Dann kommen die Mopeds, die auf der falschen Seite fahren und dann erst die ersten Fahrzeuge in Fahrtrichtung. Ampeln gibt es, manche Verkehrsteilnehmer halten sogar bei Rot. Da es aber nie alle sind, muss man auch da höllisch aufpassen, und auch wieder zu beiden Seiten, natürlich auch in Einbahnstraßen.

Habe heute in der Vorstadt Müllmänner gesehen, die richtig Spaß bei der Arbeit hatten. Die kleineren, nicht so schwer gefüllten Müllsäcke haben sie jedes Mal zum Baseballspiel genutzt. Zuerst ein paar Mannwechsel und Zuwürfe, dem langsam rollenden Müllwagen hinterher, und dann durfte einer den „Korb“ werfen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

The Royal Palace of Phnom Penh

Dienstag, 22.Dezember 09


ein Tag ohne eigene Bilder


Bin zu Fuß zum Royal Palace gegangen. Kurz bevor ich dort ankomme fällt mir ein, dass der Fotoapparat im Zimmer liegt. Aber, obwohl es in der Anlage so viele einmalige Motive gibt, dass die Besucher die Knipskästen gar nicht mehr vom Gesicht bekommen bei ihrem Rundgang, bin ich darum nicht böse. Hänge gleich mal ein paar Links an mit Bildern, für die die es interessiert wie es dort aussieht. Allein eine einzige Internet-Fotosammlung enthält 94.200 Bilder vom Royal Palace. Also, meine eigenen braucht es da ganz sicher nicht mehr. Es war überaus interessant, denn eine deutsche Reisegruppe war mit einer absoluten Spitzenreiseleiterin unterwegs, die intelligent und witzig viele Dinge ganz wunderbar erklärt hat. Andere Gruppen waren hingegen zu bedauern, denn ihre „deutschsprachigen Reiseleiter“ konnte man kaum verstehen.
Zwei Dinge haben mich ganz besonders fasziniert. Die stehende Buddhafigur in der Silberpagode, gefertigt 1904 aus 90 kg Gold, welches ursprünglich für den Sarg von König Norodon verarbeitet worden war. Dieser hatte dann aber im Testament verfügt, dass nach seiner Kremation eine Buddha-Statue daraus gefertigt werden sollte. 2084 Diamanten wurden mit verarbeitet, der größte hat 25 Karat. Entstanden ist aus alledem eine fast lebensgroße stehende Buddha-Figur, die die Handflächen zeigt als Geste „keine Angst“, und die nicht wegen des Wertes beeindruckt, sondern weil sie einfach unglaublich schön aussieht. Die Augen sind aus Quarz – Glas –oder Diamant, ich weiß es nicht, und glänzen geheimnisvoll von oben herab. An diesem Ort habe ich die Gruppe weiterziehen lassen und noch lange davor gestanden. Der zweite faszinierende Eindruck war die Tatsache, dass der Völkermörder Pol Pot während seiner Schreckensherrschaft von 3 Jahren 8 Monaten und 20 Tagen, diesen Schatz nicht angerührt hat. Es sind Dinge aus dem Palast gestohlen worden, aber eine Plünderung hat es wohl nicht gegeben. Mit der gleichen Akribie mit der auch die Folterungen, Morde und die Leben der Opfer dokumentiert wurden, hat man auch im Palast aufgelistet was es gab. Dann haben sich die Khmer Rouge dem Volk als großzügige Verwalter präsentiert, die diese Dinge dem Volk lassen. Ob das Volk, von dem ein gesamtes Viertel umgebracht wurde, das auch in diesem Sinne als nette Geste verstanden hat?    
Habe übrigens heute erfahren, dass im Tuol Sleng Folterknast (andere Bezeichnung: S-21), den 17.000 nicht überlebt haben und auf dessen Gebäude ich jedes Mal auf der anderen Straßenseite blicke wenn ich das Guesthouse verlasse, auch zahlreiche Kindergruppen im Alter von 12-15 Jahren als Bewacherteams und Helferteams eingesetzt waren. Diese Kinderkommandos sollen sich durch ganz besondere Brutalität gegenüber den Gefangenen hervorgetan haben. Heute sind diese Menschen etwa 45 Jahre alt und vielleicht zum Teil die Leute, die mir hier täglich auf den Straßen begegnen. Ein seltsames Gefühl ist das. Ich verstehe jetzt auch viel besser wie sich die Besucher Deutschlands in den ersten drei Jahrzehnten nach Kriegsende gefühlt haben müssen zwischen den diversen Mitläufern und Tätern.
www.pbase.com/bmcmorrow/pnhroyalpalace&page=all



Montag, 21. Dezember 2009

seltsame Rituale


Rituale im Wat Phnom

Bin vom Boddhi Tree GH beim Tuol Sleng Museum einen sehr weiten Weg bis zum Wat Phnom gegangen. Da ich inzwischen die Namen der wichtigsten Hauptstraßen und deren Verlauf kenne, und das Zahlensystem für die anderen Straßen allmählich durchschaue, ist die Orientierung aber leichter geworden, und ich gehe nun durch das Gassengewirr fast den direkten Weg zu einem angepeilten Ziel.
Wat Phnom birgt zwischen dem Vihara, dem Gebäude in dem Buddha gehuldigt wird, und der Stupa, einen kleinen Schrein, der der reichen alten Witwe Penh gewidmet ist. Im Märchen von Tante Penh hat die Dame um 1372 am Mekong einen Baumstumpf gefunden, in dem 5 Buddhastatuen steckten. Sie hat den künstlichen Hügel aufschütten lassen, und den Tempel für die Buddhas gleich obendrauf gestellt. Und weil Phnom = Hügel heißt, und die Witwe Frau Penh war, hatte der Ort seinen Namen: Hügel von Penh = Phnom Penh. In dem Schrein für Frau Penh hat man sie ziemlich pummelig dargestellt, und ihr auch noch eine Brille aufgesetzt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann spenden sie ihr noch heute, denn das Geschäft mit dem Geld läuft dort oben prächtig. Wer Glück braucht für ein Geschäft oder in familiären Angelegenheiten, der kommt erst mal her zum Bezahlen. Hat der dann tatsächlich Glück gehabt, kommt er wieder und blecht zum Dank noch mal. Die Touristen zahlen am Eingang 1,-USD = 4.200 Riel, bekommen dafür aber kein Glück, denn die Eintrittsgeldkasse ist ja noch vor den Schreinen und Tempeln in denen mit dem Glück gehandelt wird. Könnte mir aber vorstellen, dass die Dame mit den Eintrittskarten den Tisch an dem sie sitzt auch immer schön anbetet und mit Blumen und Räucherwerk bestückt, denn für sie bringt der natürlich regelmäßig das große Glück einer gut gefüllten Tageskasse.

Die Chinesen und Vietnamesen haben noch einen anderen Ort, an dem mit seltsamen Ritualen das Schicksal bestochen werden soll. In einem ziemlich elektrischen Schrein steht eine erschreckend aussehende Figur, die Spanferkel, Obst und Getränke erhält, und natürlich, an etwa fünf verschiedenen Spendenkästen in diesem Raum, reichlich Geldscheine. Davor ein Tisch mit Löwenfiguren. Dem einen werden Schinkenstreifen und Eier ins Maul gelegt, und ein Schamane im T-Shirt fummelt unter Absingen von Versen etwa 1 Minute lang an dem Spender rum und wirft Reiskörner durch die Gegend.

Sieht so aus, als wolle er dem Schinken mit Ei-Spender was aus dem Körper ziehen, vielleicht Krankheiten, oder auch nur das finanzielle Pech -  wo sich hier, in dieser Anlage, doch eigentlich Alles nur um das Materielle dreht.


Gehe auf dem Rückweg noch an der Busstation beim Zentralmarkt vorbei. Die nehmen für den Bus nach Siem Reap auch 5,- USD, genau wie die Reisebüros. Eigentlich ist die Rückkehrzeit beim Guesthouse mit 14 oder 15 Uhr immer viel zu früh um den Tag schon ausklingen zu lassen. Aber nach vier bis fünf Stunden Laufen in der Hitze hat man einfach genug und ist geschafft (ich zumindest).